Staatsräsonfunk

Rezension

Deutsche Medien und der Genozid in Gaza

von Fabian Goldmann, erschienen im manifest Verlag, Februar 2026

Menschen, die sich mit dem Nahost-Thema ausführlich befasst und sich vor allem auch in internationalen Medien informiert haben, hatten den Eindruck schon lange, dass die Berichterstattung in Deutschland eine klare Schlagseite hat. Dass dies nicht nur so ein Gefühl ist, weist Fabian Goldmann in seinem Buch nun eindeutig nach.

Akribisch hat er die großen Nachrichtenmedien und ihre Veröffentlichungen nach dem 7. Oktober 2023 unter die Lupe genommen und das Ausmaß der Schieflage empirisch untersucht. Das Ergebnis ist erschütternd.

In gut gegliederten Kapiteln erfasst der Autor den Umgang der deutschen Medien mit Perspektiven und Quellen, befasst sich mit Narrativen und Motiven, der Wirkung von Wording und der Macht der Sprache. Er veranschaulicht die ungleiche Bewertung von Opfern und Schicksalen, den Umgang mit Kontexten und Hintergründen und arbeitet das Versagen und die Komplizenschaft der Medien heraus. Goldmanns Buch mahnt zur Rückkehr zu den journalistischen Grundsätzen.

In vielen Beispielen stellt Goldmann nebeneinander, was sich in gut recherchierten und belegbaren Fällen ereignet hat, und was die deutschen Medien daraus gemacht haben. Selbst für Leser:innen, die die deutschen Medien längst nicht mehr der neutralen Berichterstattung in Sachen „Nahost-Konflikt“ verdächtigen, bietet sich zuweilen ein unerwarteter Blick in den Abgrund. 

Gleichzeitig werden im Buch viele Narrative gerade gerückt. Das kann sich als Hintergrund-Info für Diskussionen als wertvoll erweisen. Denn oft werden von den Gegenübern in Debatten genau solche Narrative angeführt, die sie in deutschen Medien vermittelt bekamen und was, wie sich immer wieder herausstellt, im Endeffekt aus den Schreibstuben der israelischen Propagandisten stammt. So heißt ein Kapitel denn auch genau so wie der Einwand, den viele schon aus eigener Diskussions-Erfahrung kennen: „Aber Hamas!“

Kapitel 8, in dem Goldmann der Frage nach geht, wie sich das Versagen und die Komplizenschaft der deutschen Medien erklären lässt, ist augenöffnend und ernüchternd. Kurz und knapp bekommen wir einen Eindruck von den Faktoren und Fehlern im System, die nicht nur den Rahmen für den deutschen Nahost-Diskurs bilden, sondern auch abseits davon im Hinblick auf unsere Demokratie nicht unbedenklich sind.

Fazit:

Staatsräsonfunk verdient alle Aufmerksamkeit. Propaganda, die entmenschlicht und Gewalt gegen Zivilisten normalisiert, bereitet den Boden für grausame Verbrechen bis hin zum Völkermord. Das sollten wir in Deutschland eigentlich wissen. Dass unsere Medien, die demokratische „vierte Gewalt“, bei der Verbreitung von Kriegspropaganda behilflich ist, ist eine verheerende Erkenntnis. Das Buch sollte für uns alle ein Weckruf sein, gerade in Zeiten, in denen überall die Zeichen auf Krieg stehen, genau hinzusehen.

Martina Benčec, 03.04.2026